Russland im Reisefieber: Inlandstourismus erreicht neue Rekordmarken

Denkmal für Minin und Poscharski
Das Denkmal für Minin und Poscharski / ©valphoto/depositphotos.com

Die russische Reisebranche blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Während der internationale Reiseverkehr oft von globalen Krisen und Sanktionen beeinflusst wird, zeigt der Inlandstourismus eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit und Dynamik. Im Jahr 2025 unternahmen Russen insgesamt 173,9 Millionen Reisen innerhalb des eigenen Landes – ein Anstieg von 7,4 % gegenüber dem Vorjahr und nahezu eine Verdopplung im Vergleich zu 2021.



Diese Zahlen, die von Experten der Sberbank erhoben wurden, zeichnen das Bild eines starken und sich konsolidierenden Marktes. Die Vorliebe der Russen für heimische Reiseziele ist zu einem anhaltenden Trend geworden, der wirtschaftlichen Schwankungen zu trotzen scheint. Besonders in den Sommermonaten Juli und August, auf die über ein Drittel aller Reisen entfiel, war das Reisefieber deutlich spürbar.

Zehn Regionen dominieren die Reisekarte

Obwohl Russland das flächenmäßig größte Land der Erde ist, konzentriert sich der Tourismus stark. Mehr als die Hälfte aller Inlandsreisen entfielen auf nur zehn Regionen. Absolute Spitzenreiter sind dabei:

  • Moskau (knapp vor dem gleichnamigen Gebiet)
  • St. Petersburg und die Region Krasnodar (gemeinsamer dritter Platz)
  • Es folgen das Leningrader Gebiet, Tatarstan, das Gebiet Swerdlowsk, das Gebiet Wladimir, das Gebiet Rostow und das Gebiet Nischni Nowgorod.

Besonders starke Zuwächse seit 2021 verzeichnen das Leningrader Gebiet, Moskau und das Gebiet Swerdlowsk. Dies ist nicht nur auf verbesserte Infrastruktur, sondern auch auf die wachsende Attraktivität dieser Regionen als Ganzjahresziele zurückzuführen.

Wer reist und wohin? Ein Blick auf die Reisenden

Der typische russische Inlandsreisende ist 44 Jahre alt und weiblich – Frauen stellten mit knapp über 50 % die Mehrheit. Auffällig sind die geschlechtsspezifischen Reiseziele: Während Männer häufiger in die abgelegenen Regionen Sibiriens und den Fernen Osten aufbrachen, bevorzugten Frauen Städtereisen nach St. Petersburg oder Kaliningrad sowie die Sonnenküsten von Krasnodar.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die steigende Zahl von Reisenden mit höherem Einkommen. Der Anteil der Urlauber mit einem Monatsgehalt von über 100.000 Rubel stieg um 10 %. Diese wohlhabendere Klientel reist anspruchsvoller und ist bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben.

Die durchschnittliche Reisedauer lag bei 4,7 Tagen. Während Städtereisen oft kürzer ausfielen, verbrachten Touristen in landschaftlich reizvollen und abgelegenen Gebieten wie dem Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen, Kamtschatka oder der Krim deutlich mehr Zeit.

Milliardenumsätze und neue Konsummuster

Mit der gestiegenen Reiselust wuchsen auch die Ausgaben. Insgesamt gab die russische Reisebranche im Jahr 2025 rund 1,94 Billionen Rubel (ca. 19 Milliarden Euro) um. Bemerkenswert ist der Trend zur bargeldlosen Zahlung: Über 68 % der Ausgaben wurden per Banküberweisung oder Karte getätigt.

Wofür gaben die Touristen ihr Geld aus?

  • Lebensmittel
  • Gastronomie (Cafés und Restaurants)
  • Souvenirs und Kleidung

Die täglichen Ausgaben vor Ort (ohne Unterkunft und Anreise) stiegen im Schnitt um 8,7 % auf 1.365 Rubel. Die höchsten Kosten hatten Reisende in entlegenen Regionen wie Tschukotka, während die beliebten Ziele Krasnodar und St. Petersburg ebenfalls überdurchschnittliche Preise verlangten. Günstiger war es hingegen in den Vororten der Metropolen Moskau und Leningrad.

Ausblick: Vom Massen- zum Qualitätstourismus

Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen eine klare Richtung: Der russische Inlandstourismus hat eine Phase des reinen Mengenwachstums hinter sich gelassen und tritt nun in eine Phase der qualitativen Entwicklung ein. Die zunehmende Zahl einkommensstarker Reisender eröffnet neue Chancen für Premium-Angebote, bessere Dienstleistungen und spezialisierte Reiseerlebnisse.

Für Reiseveranstalter und die Hotellerie bedeutet dies, in hochwertige Infrastruktur und maßgeschneiderte Services zu investieren, um die anspruchsvoller gewordenen Gäste zu halten. Die Widerstandsfähigkeit des Marktes, die sich in den letzten Jahren gezeigt hat, basiert nicht auf staatlicher Lenkung, sondern auf der geänderten Reisekultur der Russen selbst. Der Trend zu Entdeckungen im eigenen Land dürfte sich daher auch in den kommenden Jahren fortsetzen.


Fazit: Russland erlebt aktuell einen klassischen, aber gleichzeitig modernen Trend: Zurück zu den eigenen Wurzeln. Während internationale Reisen schwanken, wächst der Inlandstourismus kontinuierlich weiter. Für die Branche ist das ein klares Signal – und für Reisende eine Einladung, die eigene Heimat neu zu entdecken.

Quelle: https://www.tourism-review.com/russias-domestic-tourism-reported-increased-numbers-news15362

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Russland Tourismus

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